Neckarvororte Handgemachte Seifen, edle Abendkleider und moderne Synthesizer gibt es auch nebenan: zu Besuch bei drei ungewöhnlichen Geschäften und Produktionsstätten. Von Annina Baur
Unbekannte Orte: Täglich laufen wir an ihnen vorbei und würdigen sie keines Blickes - nicht wissend, dass sich da etwas verbirgt, unter der Erde oder hinter dem Tor. Zu diesen unbekannten Orten gehören auch außergewöhnliche Geschäfte und Produktionsstätten wie zum Beispiel eine Seifenmanufaktur in Hedelfingen, ein Theaterkostümhaus in Untertürkheim und ein Fachgeschäft für elektro-akustische Instrumente in Bad Cannstatt. Eines haben sie alle drei gemeinsam: Sie sind spezialisiert auf die Sonderwünsche ihrer Kunden.
Limette-Basilikum-Duft für den Herrn, Mango-Orangen-Aroma für die Dame oder auch eine eigens für empfindliches Hundehaar kreierte Seife: In der Stuttgarter Seifenmanufaktur von Carola Tabarelli wird die ganze Familie fündig. Neben selbst hergestellten Seifen in allen erdenklichen Formen und Farben sowie Hautpflegeprodukten aus eigener Herstellung gibt es in dem kleinen Laden in der Ruiter Straße in Hedelfingen Deko-Artikel, Seifenschalen aus verschiedenen Materialien und allerlei hübsch verpackte Badezusätze und -pralinen.
Die duftenden, bunten Reinigungsmittel werden vor allem als Geschenke vor Weihnachten nachgefragt, sagt Tabarelli. "Von Oktober bis Dezember beschäftige ich eine Aushilfe." Den Rest des Jahres schmeißt die biologisch-technische Assistentin ihren im Oktober 2010 eröffneten Laden alleine - tatkräftig unterstützt von der ganzen Familie.
Den größten Teil ihres Umsatzes erzielt sie über das Internet, wo sämtliche Produkte der Seifenmanufaktur nach Hause bestellt werden können. Der Verkauf von bunten Seifen und Geschenkartikeln spielt im Netz eher eine untergeordnete Rolle. "Ich verkaufe vor allem Seifen, die für Allergiker und Menschen mit Hautproblemen gut verträglich sind." Diese enthalten keinerlei künstliche Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe. Auf Farbe verzichten müssen aber auch Allergiker nicht: Mit roter Beete, Kurkuma sowie grüner und rosafarbener Tonerde färbt Tabarelli Seifen auf natürliche Weise.
Besonders wichtig ist der Hedelfingerin, auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen: "Ich stelle auch Seifen speziell auf Kundenwunsch her." Auf Anregung einer Kundin kam sie zum Beispiel auf die Idee einer "Seife to go". Dies sind einzelne Seifenspäne, verpackt in einer kleinen Dose für die Handtasche, die für genau einmal Händewaschen ausreichen. Diese Späne werden inzwischen auch von mehreren Hotels gerne bestellt: "Das ist wesentlich hygienischer und sieht hübscher aus als ein großes Stück Seife."
Lederkragen für Landsknechte, Bauchgurte für Germanen, weiße Strümpfe für Herren: Schon die Aufschriften auf den Holzkisten und Kartons, die sich in den zimmerhohen Regalen aneinander reihen, klingen verheißungsvoll. "Von der Steinzeit bis zur Jahrhundertwende haben wir nahezu jedes Kostüm", sagt Thomas Kerber. Der Herrenschneider führt in der vierten Generation das Theaterkostümhaus Wagner in Untertürkheim.
Zu seinem Fundus gehören weit mehr als 5000 Kostüme, Hunderte Paar Schuhe und viele Tausend Accessoires, verteilt auf drei miteinander verbundene Häuser in der Stubaier Straße. Während es zur Faschingszeit vor allem Privatkunden sind, die zu Thomas Kerber kommen, um sich ein Piratenkostüm, einen knallbunten Frack oder ein Flower-Power-Outfit für eine Nacht auszuleihen, stehen im Sommer vor allem Großaufträge an.
"Wir sind spezialisiert auf die Ausrichtung historischer Festumzüge." Dafür reisen Kerber und sein Team bis ins Elsass und in die Schweiz mit hunderten Kostümen im Gepäck. "Wenn wir einen Festzug ausrichten, bekommt der Kunde ein Gesamtpaket." Der Service beginnt bei der individuellen Gruppengestaltung, die auf die Geschichte der Stadt und das zu feiernde Ereignis abgestimmt wird. "Ein Bauer aus dem 8. Jahrhundert sieht ganz anders aus als ein Bauer aus dem 15. Jahrhundert." Wenn ein Kostüm im Fundus noch nicht vorhanden ist, wird es extra angefertigt. Damit alles so authentisch wie möglich ist, kleidet das Team vom Kostümverleih die Darsteller vor Ort ein und schminkt sie. Nach der Veranstaltung werden sämtliche Utensilien wieder eingepackt, zurück nach Stuttgart gebracht und gereinigt. "Perfektion und Sauberkeit werden bei uns groß geschrieben", betont Kerber. Darauf könne sich jeder Kunde verlassen.
Diese Philosophie gilt auch für das dritte Standbein des Familienunternehmens. Neben historischen Kostümen und Faschingsoutfits verleiht das Haus Gesellschaftskleidung. Abendgarderobe für Damen und Herren werden unter anderem für Hochzeiten und gesellschaftliche Ereignisse gemietet, bei denen ein ganz bestimmter Dresscode vorgeschrieben ist, erzählt Kerber. Von diesem Service machen auch Prominente und Politiker gerne Gebrauch: "Dieter Hundt war in einem Cutaway aus unserem Haus beim Pferderennen in Ascot und Hansi Müller hat sich hier schon einmal einen Frack für den Wiener Opernball geliehen", sagt Kerber, der auch schon den ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger und den Esslinger SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Drexler eingekleidet hat.
Eine kleine, elektrophysikalische Welt ist Ende des vergangenen Jahres in einer ehemaligen Remise in der König-Karl-Straße in Bad Cannstatt entstanden. Stromraum heißt das Fachgeschäft für elektro-akustische Instrumente, das von Michael Salzbrenner, Eckhart Holzboog und Roman Kuklinski betrieben wird. Die drei, die schon seit langem selbst elektronische Musik machen, bieten dort vor allem analoge Synthesizer, Sequenzer, Effektgeräte und das dazu passende Zubehör an.
"Analoge Geräte galten lange Zeit als veraltet, sind jetzt aber wieder stark im Kommen", sagt Salzbrenner. Das liege zum einen an einer besseren Klangqualität. "Viele Musiker wollen aber auch nachvollziehen, wie der Klang entsteht und direkten Zugriff auf die klangerzeugenden Elemente haben." Während bei digitalen Synthesizern ausschließlich mit der Computermaus gearbeitet wird, kann bei analogen Instrumenten direkt über verschiedene Knöpfe etwa die Tonhöhe oder die Klangfarbe reguliert werden.
Welche Kombinationen der verschiedenen Geräte möglich sind und welche akustischen Effekte damit erzielt werden können, können die Kunden im Geschäft selbst ausprobieren, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden. "So kann jeder nach Gehör und nach seinen eigenen musikalischen Vorstellungen sein Instrument zusammenstellen." Dazu gibt es Beratung von den Experten.
Man wolle aber mehr sein als ein beratendes Fachgeschäft, sagen die drei Geschäftsinhaber: Unter anderem wollen sie einen Stammtisch für Hobbymusiker, DJs und professionelle Musiker etablieren. Regelmäßig finden Konzerte im Veranstaltungsraum im Keller des Nebenhauses statt. Dort werden auch Workshops angeboten, in denen nicht nur die Instrumente erklärt werden, sondern auch das notwendige Fachwissen vermittelt wird. Am morgigen Samstag, 3. September, 16 Uhr, geht es um das analoge Modulsystem A-100.