Die Schönheit im Auge der Betrachterin

Post by (abendkleider günstig) Oct 2011

Sie war die einflussreichste Moderedakteurin aller Zeiten. Ihre Ratgeber-Kolumne ist bis heute als Buch ein Bestseller. Warum Diana Vreeland noch immer aktuell ist

Privat traf sie sich mit Andy Warhol, sie soff mit Jack Nicholson und beriet Jackie Kennedy in Modefragen

Man könnte die Geschichte von Diana Vreeland, die in ihrem Leben außerordentlich viel mit Schönheit zu tun hatte, mit ihrer angeblichen Hässlichkeit beginnen. Von ihrer Mutter, einer amerikanischen Societylady, die mit ihrem britischen Ehemann ein ausschweifendes Gesellschaftsleben in Paris und New York führte, bekam sie als Kind zu hören: "Es ist wirklich ein Unglück, dass deine Schwester so wunderschön ist und du so außerordentlich hässlich und du deswegen schrecklich eifersüchtig auf sie bist. Das ist natürlich der Grund, warum du im Umgang so unmöglich bist."

Aber man könnte die Geschichte der genialen Moderedakteurin auch anders anfangen: New York, 1936. Eine junge Frau tanzt in einem weißen Spitzenkleid von Chanel im New Yorker "St. Regis Hotel". Ein Bolero rahmt ihre Schultern, das Gesicht ist hell gepudert, die Lippen sind sorgfältig bemalt. Im kunstvoll hoch gezwirbelten Haar stecken rote Rosen.

Diana Vreeland (33) ist soeben mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen nach New York gezogen, nach acht Jahren in London, und sie tut dass, was sie abends am liebsten tut (naturgemäß erst nach einem akribischen Ankleideritual): Ausgehen, tanzen, sich der Inszenierung hingeben. Ihre Garderobe und ihre von dramatischen Gesten untermalte Eloquenz beeindrucken eine ebenfalls im Saal anwesende Dame: Carmel Snow, Chefredakteurin des Modemagazins "Harpers Bazaar". Am nächsten Morgen erhält Vreeland einen Anruf der Redaktion. Und ein Jobangebot. Der Rest ist Modegeschichte.

Denn auch wenn Vreeland zunächst argumentiert: "Aber Mrs. Snow, ich habe meiner Lebtage noch keinen Fuß in ein Büro gesetzt. Ich bin erst mittags angekleidet", lässt sich diese nicht abschrecken: "Ich habe den Eindruck, dass Sie sehr viel von Garderobe verstehen. Warum versuchen Sie's nicht einfach, und dann sehen wir weiter?"

Vreeland sah die Herausforderung und platzierte sogleich eine neue Rubrik im Heft: In ihrer Kolumne "Why don't you?", die im August 1936 startete und bis heute Kultstatus hat, gab Vreeland den Leserinnen stilistische Anregungen wie: "Warum verwandeln Sie nicht ihren abgelegten Hermelin in einen Bademantel?" Oder: "Warum kombinieren Sie nicht einfach lila Samthandschuhe zu allem, was sie tragen?" Und: "Warum kaufen Sie sich keinen transparenten Abendmantel?" Auch Kinder waren oft Teil der Kolumne: "Warum waschen Sie nicht die Haare ihres blonden Kindes in abgestandenem Champagner, wie die Franzosen?" "Warum lassen Sie nicht eine Weltkarte an alle vier Wände des Kinderzimmers malen und bewahren Ihr Kind vor einem provinziellen Blick?"

Mrs. Vreeland wusste auch in Einrichtungsfragen Rat, und sie hatte ja recht, warum sollte man eigentlich in einem vollständig weißen Haus nicht jede Tür in der Farbe einer Blume streichen und den jeweiligen Raum nach dieser benennen? In diesen Ratschlägen spiegelte sich Vreelands Inspirationsspektrum, das weder geografische noch epochale Grenzen kannte - geschweige denn monetäre. "Warum bringen Sie von ihrem nächsten Europatrip nicht einen riesigen barocken Porzellanofen mit und stellen ihn in die Eingangshalle, sodass er sich im Parkett spiegelt?" Auch wenn teilweise Häme oder Amüsement die Reaktionen waren - nach den kargen Jahren der Weltwirtschaftskrise stillte die Kolumne den Hunger der sich erholendenMittelklasse nach dem Leben der Upperclass.

Der opulente Salon ihres Apartments in der Park Avenue bot Vreeland eine angemessene Kulisse. Billy Baldwin, der Interior Designer, empfand den Raum als das stärkste persönliche Statement, das er kannte. Die Vorgabe Vreelands hatte gelautet: "Wie ein exotischer Garten, nur in der Hölle". Neben fundierten Kenntnissen der Kunstgeschichte muss sie das Auge eines Malers für Licht und Farbe besessen haben: "Das Grau in Pauline de Rothschilds Wohnzimmer war wie das Innere einer Perle." Ihr Leben lang, so schrieb sie, war sie auf der Suche nach dem perfekten Rot. "Das schönste Rot haben die Käppchen der Kinder in Renaissance-Gemälden."

Als Kind hatte sie zwar keine klassische Schulbildung genossen, doch die Eltern schickten die beiden Töchter auf Entdeckungsreisen, zum Beispiel nach London, um die Krönung von George V. zu erleben. Auf einer Ballettschule lernte Vreeland den sterbenden Schwan tanzen: "Die Schönheit beim Verlassen dieser Welt ... und eine großartige Schule für ein junges Mädchen." In Vreelands Biografie "Allure. Der Roman meines Lebens", die dieses Jahr erstmals auf Deutsch bei Schirmer und Mosel erschien, kann man diese und andere Anekdoten nachlesen.

Nachdem sie bei "Bazaar" angefangen hatte, wurde Vreeland zur einflussreichsten Moderedakteurin aller Zeiten. 1962 wechselte sie nach 29 Jahren zur "Vogue" und bestieg dort ein Jahr später endgültig den Thron der Chefredakteurin. Der Condé-Nast-Verlag hatte sie unter anderem mit einem großzügigen Reisebudget für aufwendige Fotoproduktionen gelockt. Vreelands "Vogue" war genau richtig für die 60er-Jahre, die sie vor allem im damals noch herrlich mondänen Reisen mit Düsenflugzeugen symbolisiert sah. So führte sie ihre Leser an exotische Orte wie Mona Bismarcks Garten auf Capri, den Grand Trianon in Versailles oder Reinaldo Herreras Haus in Venezuela.

Die "New York Times"-Kolumnistin Charlotte Curtis beschrieb den Einfluss der "Empress of Fashion" folgendermaßen: "In den 60er-Jahren herrschte Diana Vreeland über die ,Vogue' und die amerikanische Modewelt ganz so, wie Ludwig XVI. über Frankreich geherrscht hatte. Was sie mit ihrer dröhnenden Stimme befahl, das wurde getan. Die ,Ladies', ob alternd oder nicht, uniformierten sich in kurztaillierten Kleinmädchen-Minis, mit Wolken von Haar. Ein Wunder, dass das Diktat nicht auch Lollipops einschloss."

"Man muss den Menschen geben, was sie wollen, bevor sie wissen, was sie wollen" war V.R.'s Devise für mehr als vier Dekaden Magazingestaltung. Vreeland führte eine neue Mannequin-Generation ein, sie entdeckte Loulou Falaise und Veruschka, hatte legendäre Art Direktoren wie Alexey Brodovitch und Alexander Liberman an ihrer Seite und förderte Fotografen wie David Bailey, Richard Avedon oder Irving Penn. Es entstanden so viele ikonische Fotoproduktionen, dass man sich tagelang in den Archiven der Verlage Hearst und Condé Nast aufhalten müsste, um sie zu sichten. Diese Arbeit hat uns nun Lisa Immordino Vreeland abgenommen, die mit einem der beiden Vreeland-Söhne verheiratet ist und ihrer Schwiegermutter, die sie nie kennenlernte, ein Denkmal gesetzt hat - mit ihrem Bildband "The eye has to travel", erschienen bei Abrams, New York.

Und für Vreeland posierten sie alle. Der junge Mick Jagger. Mia Farrow. Models in Frank Lloyd Wrights Winterhaus in Arizona. Coco Chanel, fotografiert von Cecil Beaton. Privat traf sie sich mit Andy Warhol, soff mit Jack Nicholson und riet Jackie Kennedy, zur Amtseinführung "als romantische Note" den Muff zu tragen. Diese bedankte sich: "You are and will always be my fashion adviser." Auch andere Damen dieses Kalibers gehörten zu ihrem Zirkel, etwa Wallis Simpson, die zweifach geschiedene Amerikanerin, zugunsten derer König Edward VIII. auf den englischen Thron verzichtete - und sich nun anschickt, es Vreeland mit einem eigenen postumen Comeback gleichzutun: Gerade erst schritt sie uns im Oscar-Abräumer "The Kings Speech" entgegen, und im Dezember läuft in den US-Kinos Madonnas Simpson-Film "W.E." an, den man sich schon allein wegen der Outfits ansehen sollte.

Vreelands Arbeitsrituale waren geprägt von diversen Spleens: Den Vormittag verbrachte sie meistens zu Hause (angeblich zum Teil im Bett) und gab von dort aus Anweisungen, schrieb Memos und führte Telefonate. Wenn sie am Mittag ins Büro kam, war ein enormer Teil der Arbeit bereits an ihre Assistentinnen delegiert. Vom Lunch hielt sie nichts: Es bestand aus am Schreibtisch konsumierten Sandwiches mit Erdnussbutter, begleitet von einem "jigger of scotch" und Zigaretten, die sie durch ein Mundstück inhalierte.

"Niemals müde ins Bett gehen" ist einer von Vreelands banaleren Ratschlägen. Vielleicht war sie deshalb selbst für eine dritte Karriere im Alter von 69 Jahren noch munter genug: 1972, als man bei Condé Nast die üppigen Fotostrecken nicht mehr für zeitgemäß und die enormen Reisebudgets für nicht mehr tragbar hielt, trennte sich der Verlag von ihr.

Spätestens die Kündigung, von der sie angeblich überrascht wurde, hätte anderen Grund zur Resignation gegeben. Doch Vreeland wurde flugs Beraterin des Metropolitan Museum - sie sollte das verstaubte Costume Institute beleben, die Geburtsstätte von Modeausstellungen. Sie kuratierte legendäre Shows wie "The Glory of Russian Costume" oder "Romantic & Glamorous Hollywood Design". 1983 widmete sie mit "Yves Saint Laurent: 25 Years of Design" zum ersten Mal in der Museumsgeschichte einem lebenden Mode-Designer eine Show und wurde dafür heftig kritisiert. Doch indem sie Mode zur Kunst erhob, bewies sie Gespür dafür, dass Mode sich in der Zukunft auch als Kunst vermarkten (und verkaufen) lassen würde. Mit 82 verfasste sie dann ihre Memoiren, die sie auf ein Band sprach und die sich daher wunderbar atemlos lesen.

Nicht die einfache Version seiner selbst zu sein (wie fad!), sondern die elaborierte - dieses Motto versprühte "Dee-Ann", wie sie ihren eigenen Namen stets betonte, mit ihrem gesamten Habitus, von der Hutnadel bis zur Zigarettenspitze, vom klatschmohnrot gefärbten Mund und den gepuderten Wangen zu den perfekt manikürten Fingernägeln, vom anrüchigen Salonlachen zum Hüftschwung, der selbst Mannequins beeindruckte. Dieser hohe Inszenierungsgrad ("ich liebe alles Künstliche") klingt in erster Linie anstrengend. Doch Vreelands Kapazitäten waren durch die performative Äußerlichkeit noch lange nicht erschöpft: Ihre Sprache soll eine Mischung aus europäischem Adel, New Yorker Taxifahrer und dem Vorsitzenden einer multinationalen Organisation gewesen sein. Ihr Humor gilt als einmalig, ihre Fantasie als unerschöpflich. "Diana Vreeland", so Truman Capote, "hat den Geschmack der gehobenen Amerikanerinnen mehr als jede andere beeinflusst - wie sie laufen, was sie tragen, was sie denken." Im Interview soll sie gesagt haben: "Man muss keine natürliche Schönheit sein, um attraktiv zu sein."

Wenn Sie an cocktailkleider günstig interessiert sind,bitte besuchen unsere Website:brautkleider 2011